Die Gesamtschule Münster Mitte hat im Rahmen des Faches Gesellschaftslehre schon früh begonnen sich selbst gesellschaftlich zu engagieren. Die Wahl fiel auf das von Armut besonders betroffene Land Haiti und den gemeinnützige Verein „Haiti Kinderhilfe“. Die ehrenamtlich organisierte Haiti Kinderhilfe engagiert sich schon seit 1993 für Bildung und medizinische Versorgung in Haiti. Ihr aktuelles Projekt „Kouraj pou lavni – Mut für die Zukunft“ ist der Bau eines Kindergartens und einer Schule im Landesinneren Haitis.

Die Gesamtschule hat z.B.  durch den Verkauf von Plätzchen in der vorweihnachtlichen Innenstadt oder anderer eingenommener Spenden den Kindergarten unterstützt. Im letzten Schuljahr hat die SV beschlossen ein größeres Spendenprojekt für den Schulbau in Haiti in Form eines Sponsorenlaufs zu starten, der im Juni auf der Sentruper Höhe stattgefunden hat und wo über 17000 Euro von Eltern, Verwandten und Nachbarn der Kinder gespendet wurden.

 

Warum Haiti? Haiti ist das ärmste Land des amerikanischen Kontinents und von ständigen Naturkatastrophen wie Hurrikans und Erdbeben betroffen (2010 das letzte Erdbeben mit über 300000 Toten und Hurrikan Matthew 2016 mit 500 Toten, 1,5 Mill. Menschen, die von Wasserversorgung und Nahrung abgeschnitten waren und allein 700 Schulen, die zerstört worden sind), immer wieder konfrontiert mit politischen Unruhen und Krankheitsepidemien wie die von Blauhelmsoldaten eingeschleppte Cholera von 2010.

Warum im Landesinneren? Auf einem Hochplateau im Landesinneren vor den Toren der Stadt Hinche, die verkehrstechnisch von der Hauptstadt Port-au-Prince gut zu erreichen ist, beginnt eine von der Regierung Haitis völlig vernachlässigte Region, die auch von den meisten Hilfsorganisationen bislang unbeachtet blieb. Die Region im Landesinneren ist geschützt gegen die jährlichen Hurrikans und liegt nicht in der erdbebengefährdeten Zone. Hier ist das Land noch ursprünglich, die Natur zwar ausgebeutet, aber nicht zersiedelt. Die Menschen, wenn auch weitestgehend unterernährt und bettelarm, so doch dankbar für jede Hilfe, die sie erhalten und voller Energie ihre Situation zu verbessern. Der Verein hat hier schon andere Projekte unterstützt wie den Bau von Schulen und den Wiederaufbau einer Maniok-Mühle (eine Art Kartoffel) , die für die Versorgung der Schulkinder immens wichtig ist und ist dadurch bekannt geworden  und sehr angesehen.

Warum ein Engagement für die Kinder? Ein Drittel der Kinder in Haiti kommt unterernährt zur Welt bzw. mit neun Jahren ist jedes 3. Kind immer noch unterernährt. Die Kindersterblichkeit ist extrem hoch:  Jedes 7. Kind wird keine 5 Jahre alt. Nur die Hälfte der Kinder besucht überhaupt die Grundschule. Die Eltern können das Schulgeld (fast alle Schulen sind kostenpflichtig.) nicht aufbringen. Daher müssen Kinder früh zum Lebensunterhalt beitragen. Von 1 Millionen Kindern sind 300.000 Kindersklaven (sogenannte Restavecs). Viele Kinder sind auch Waisen oder leben auf der Straße.

Warum ein Kindergarten und eine Schule? Bildung ist der Schlüssel um den „Teufelskreis der Armut“ zu durchbrechen. Ehemalige Patenkinder des Vereins sind heute LehrerInnen oder ErzieherInnen im Kindergarten oder der Schule bzw. ÄrztInnen. Der Verein macht schon lange Patenschaftsprojekte, hat schon Krankenstationen oder Kinderbehandlungsprojekte finanziert. Neu ist jetzt der Gedanke nicht nur den Bau von Bildungseinrichtungen zu unterstützen, sondern auch die Unterhaltung bzw. das pädagogische Konzept der Schule mitzugestalten und zu tragen. Die zugrundeliegende Haltung des Projekts „Kouraj pou lavni“ ist die der Montessoripädagogik, die ganzheitlich auf das Kind schaut. Die Pädagogik ist handlungsorientiert und partizipatorisch angelegt. Im Gegensatz dazu ist die vorherrschende Methode in haitianischen Schulen gekennzeichnet durch eine strenge und autoritäre Haltung mit Frontalunterricht und viel Auswendiglernen.

 Was ist schon passiert? Der Kindergarten mit vier Gruppen und 90 Kindern in vier offenen Pavillions existiert schon seit drei Jahren. Der Schulbau für die Grundschule hat schon im Januar 2017 begonnen, die erste Klasse ist im Sommer schon eingeschult worden. Hier entstehen insgesamt drei Häuser mit je zwei Klassen.  Der Bau einer weiterführenden Schule ist geplant.

Im Kindergarten haben die Kinder oft zum ersten Mal mit Spielzeug gespielt, gebastelt und gekocht. Besonders Puppen sind für Jungen und Mädchen und ihre Entwicklung wichtig. Sie lernen hier schon die Buchstaben lesen und schreiben, bevor sie in die Schule kommen. Ihre Eltern sind in der Regel Analphabeten, werden aber in die Aufbauarbeit mit einer gewissen Unterstützung einbezogen.  

Die Kinder bekommen in Kindergarten und Schule ein Frühstück und ein warmes Mittagessen. Sie lernen den Umgang mit Haustieren wie Hühnern und Ziegen und für jedes Kind wird ein Baum gepflanzt, den sie versorgen müssen und Verantwortung übernehmen. Die Kinder hier  sind sehr fröhlich, lachen viel, singen und bewegen sich gerne. Sie und ihre Eltern sind stolz auf „ihre“ Schule. 

Was finanziert die Gesamtschule? Beim Sponsorenlauf im Juni 2017 wurden von den 650 SchülerInnen über 17000 Euro „erlaufen“. Die SV muss mit den anderen SchülerInnen der Gesamtschule jetzt überlegen, wo ihr Geld genau hingehen soll, entweder für den Bau einer Werkstatt/Technikraums, einem Sportplatz (im Augenblick der Favorit) oder ein Klassenraum bzw. eine Ausstattung.

 

Am Dienstag, den 7.11.2017 wird Frau Roswitha Weiß von der Haiti-Kinderhilfe den Scheck symbolisch entgegennehmen und uns über den neuesten Stand des Schullebens und –baus informieren. Das Ganze findet um 11.35 Uhr während der Schul-Assembly in der Sporthalle der Gesamtschule statt.