Grundsätze

Grundsätzlich haben wir ein stärkenorientiertes Verständnis von Leistungen. Dabei findet in besonderem Maße der individuelle Lernzuwachs der Kinder in Bezug auf den Erwerb verschiedener Kompetenzen („Ich-kann-Sätze“) Berücksichtigung. So ist gewährleistet, dass jedes Kind persönliche Erfolge erzielen kann.

In der Gesamtschule sind Leistungsbewertungen nicht „selektierend“. Es gibt bis zur 9. Klasse kein „Sitzenbleiben“. Die Rückmeldungen zu erbrachten Leistungen dienen der Unterstützung der Selbsteinschätzung und Motivation. Die Kinder sollen Erfahrungen sammeln, eigenständig Entscheidungen treffen um dann ihrem Niveau entsprechend arbeiten. Dabei ist es uns wichtig, die Kinder zu stärken, ihre Begabungen zu fördern und sie zu bestmöglichen Leistungen zu bringen. Dies ist ein Prozess bis hin zur E- (Erweiterungs-) und G- (Grund-) Kursdifferenzierung ab Klasse 7, wobei das System stets durchlässig für alle Schülerinnen und Schüler bleibt und wir bis in den Jahrgang 10 binnendifferenziert arbeiten.

Feedback

Beratungsgespräche finden regelmäßig mit Eltern und Schülerinnen und Schüler statt und geben Rückmeldungen über den individuellen Leistungsstand und Lernfortschritt. Die Zeugnisnoten informieren über die fachlichen Leistungen. Die Beratungsbögen, als Grundlage der Gespräche, bilden die erreichten Niveaustufen (Grund- oder Erweiterungsniveau) der Schülerinnen und Schüler ab. Außerdem spiegeln sie die Ausbildung von Schlüsselkompetenzen wieder.

Bausteine der Leistungsbewertung

Lernchecks (Klassenarbeiten)

Die Lernchecks überprüfen die erworbenen Kompetenzen auf Grund- und Erweiterungsniveau (* / **/*** in D und M ab 7). Die erste Seite der Lernchecks ist als Auswertungsbogen bzw. Rückmeldebogen konzipiert und zeigt den Erreichungsgrad in Bezug auf die verschiedenen Kompetenzen an. Es gilt der Grundsatz der Nachhaltigkeit: einzelne Kompetenzbereiche tauchen in aufeinander folgenden Lernchecks immer wieder auf. 40 % der zu erreichenden Punkte stellen die Mindestanforderungen (Basiskompetenzen) dar.

Schriftliche Leistungen in Form von „Lernchecks“ werden parallel vom Jahrgangsteam für eine Jahrgangsstufe entwickelt.

In den Jahrgängen 5,6,7 werden pro Schuljahr sechs Leistungsnachweise erbracht, im Jahrgang 8 werden fünf schriftliche Leistungsnachweise plus der LSE 8 erbracht. Die Lernchecks fließen mit ca. 50 % in die Gesamtbewertung ein.

In den Jahrgängen 5-7 umfassen die schriftlichen Leistungen jeweils 45 Minuten, in den Jahrgängen 8-10 eine bis zwei Zeitstunden.

Differenzierung in Lernplänen und Lernchecks: im Fundamentum bearbeiten die SuS geschlossene und halboffene Aufgaben, im Additum (1 Sterne- und 2-Sterne-Aufgaben) lösen sie halboffene und offene Aufgaben und im Kreativum (Glühbirnen-Aufgaben) lösen die SuS offene Aufgaben. Der Anteil der halboffenen und offenen Aufgaben nimmt mit dem Kenntnisstand der SuS über die Jahre zu. In den Lernchecks haben wir bisher auf ganz offenen Aufgaben verzichtet, einmal im Jahr wird aber ein schriftlicher Leistungsnachweis durch eine sonstige Leistung (alternative Leistungsüberprüfung) ersetzt. Die Bewertungskriterien hierfür werden im Vorfeld mit den SuS erarbeitet und vereinbart. Sie richten sich nach Art und Umfang der Aufgabe sowie nach dem Leistungs- und Entwicklungsstand der SuS. So ist beispielsweise in Jg. 5 für das Fach Deutsch das Schattentheater-Projekt vorgesehen, in dem die Lernenden in Gruppen ein eigenes Märchen als Schattentheater entwickeln (eigenes Drehbuch schreiben, Bühne und Figuren erstellen, proben und das Stück präsentieren). Diese Leistung steht stellvertretend für einen Lerncheck.

Der Bewertungsanteil des Fundamentums umfasst in den Jahrgängen 5 und 6 etwa 50 % und der Anteil des Additums und Kreativums ebenfalls 50 %, die Gewichtung von Letzterem nimmt anschließend in höheren Jahrgängen sukzessive zu.

Die Bewertung der einzelnen Aufgaben orientiert sich an der Schwerpunktkompetenz der jeweiligen Aufgabe und am Grad der Offenheit.

In jedem Lerncheck werden auf dem Deckblatt die Kompetenzen und die Punkte, die einzelne Aufgaben betreffen dargelegt. In allen Hauptfächern haben wir uns dabei auf das gleiche Format geeinigt:

Beispiel eines Deckblatts aus einem Mathematik und einem Englisch Lerncheck:



Die Konsequenz des individuellen Arbeitens im Lernbüro ist, dass Schüler/innen nicht alle zum gleichen Zeitpunkt gleich weit in der Bearbeitung der Lerngegenstände sind. Daher können sie bei uns in einem bestimmten Rahmen selbst über den Zeitpunkt ihres Lernchecks entscheiden. Sie tragen sich dazu innerhalb der vorgesehenen Lerncheckphase selbst für die Lernchecktermine ein. Dieser von den Schüler/innen sehr geschätzte Baustein unseres Konzeptes trägt auch zur Steigerung des selbstverantwortlichen Lernens bei. Die Schüler/innen erkennen dabei sehr deutlich, dass die Verantwortung für die Vorbereitung auf einen Lerncheck auf ihrer Seite viel größer ist, wenn sie sich selbst für einem Termin eingetragen haben.


Organisatorisch lösen wir die verschiedenen Zeitpunkte durch eine andere Organisation des Lernbüros in der Lerncheckphase. In den Lerncheckphasen wird im Lernbüro nur in Einzelarbeit still gearbeitet. Zu Beginn der Lernbürostunde verteilen sich die Schüler/innen, die einen Lerncheck schreiben, im vorderen Teil des Klassenraums möglichst an Einzelplätzen. Im hinteren Teil des Raumes wird ruhig gearbeitet. Die Kolleg/innen bringen die verscheidenen Lernchecks aus dem dafür vorgesehenen Regal des Lehrerzimmers mit, bringen sie anschließend wieder dorthin zurück und verteilen die geschriebenen Lernchecks an die entsprechenden Fachkolleg/innen. Die Fachkonferenzvorsitzenden organisieren Verantwortlichkeiten für das Bestücken der Lerncheckkisten. Dieses Verfahren hat sich als sehr praktikabel etabliert. Falls Schüler/innen einen Lerncheck durch Krankheit verpassen, können sie unproblematisch an einem anderen Tag der Phase nachschreiben. Für bestimmte Lerncheckthemen werden in Ausnahmefällen zentrale Termine durch das Fachteam vorgegeben, z.B. "Gedichtsanalyse" im jahrgang 8. Grundsätzlich werden die Lernchecks aber so konzipiert, dass man nicht durch die einfache Weitergabe von Ergebnissen eine Lösung im Lerncheck erreicht. Es werden immer Rechenwege, eigene Texte oder Lernkommentare gefordert.

Sonstige Mitarbeit

Bewertungsgrundlage für die sonstige Mitarbeit ist die Beteiligung im Unterricht und im Lernbüro.

Dazu gehören Präsentationen, Projekte, mündliche Beteiligung im Unterricht, aktiv mitgestaltete Gruppenarbeitsphasen als wesentlicher Bestandteil des kooperativen Lernens, die individuelle Lernbereitschaft und Heft- und Mappenführung.

In der Beurteilung der Arbeit der SuS in den Lernplänen wird jeweils berücksichtigt, welches Leistungsniveau die SuS gewählt haben und wie sie dieses Niveau bewältigen konnten. Gleiches gilt für Aufgaben, die von den SuS neigungsspezifisch gewählt werden.


 

Ergebnisse des Schilf-Tages Leistungsbewertung und des Elternarbeitskreises:

  • Lernchecks zeigen vor allem den Erreichungsgrad in Bezug auf die Mindestkompetenzen. Je höher der Kompetenzgrad, desto weniger sind schriftliche Kompetenzchecks geeignet, den erreichen Stand zu zeigen (‚Baum-Modell’: Die Dicke des Stamms lässt sich kriterienorientiert gut überprüfen, die Qualität der Krone umso weniger, je entwickelter sie ist!) Deshalb sind die Ergebnisse der Lernchecks nur ein Teil der gesamten Leistungsbewertung.
  • In der Gesamtschule sind Leistungsbewertungen nicht selektierend – deswegen sind viele Ängste, die Eltern (und Lehrkräfte) in formalrechtlicher Hinsicht aus dem gegliederten Schulwegen kennen, hier nicht ‚passend’. Es gibt bis zur 9. Klasse kein „Sitzenbleiben“. Die Rückmeldungen zu erbrachten Leistungen dienen also vor allem zur Unterstützung einer besseren Selbsteinschätzung und Motivation. Gleichwohl fordern wir zu bestmöglichen Leistungen auf und erreichen gerade durch die fehlende Selektion einen angstfreieren Umgang mit Lernchecks.
  • Grundsätzlich wird ein Lerncheck der Schule mit 100 Punkten (100%) bewertet. Bei der Planung werden die Kompetenzbereiche auf die 100 Punkte verteilt. Wichtig ist dabei der Grundsatz der Nachhaltigkeit: Einzelne Kompetenzbereiche tauchen mit ihrer Punktzahl in aufeinander folgenden Lernchecks immer wieder auf. Damit lohnt es sich für die Schüler/innen, ihre Erfolge in einzelnen Kompetenzbereichen zu reflektieren und sich Ziele zum ‚Dazulernen’ in einzelnen Kompetenzbereichen zu setzen. (Grundidee nach Sepp Herberger: ‚nach dem Spiel ist vor dem Spiel’).
  • Die ersten 40 % der Punkte beziehen sich auf die Basiskompetenzen, die erreicht sein müssen, damit die Anforderungen der Hauptschule auf niedrigem, aber noch sicherem Niveau abgedeckt sind. Damit ist 40% die ‚Warnschwelle’: Wenn sie unterschritten ist, wird die Schule von sich aus tätig und greift in den Lernprozess stabilisierend (z.B. durch Beratung, durch Vorgaben, durch Anforderungen, Gespräch mit den Eltern usw.) ein, bis die Zielerreichung des Schülers wieder über der Warnschwelle liegt. Oberhalb der Warnschwelle sind die SuS grundsätzlich frei für eigene Entscheidungen hinsichtlich des von ihnen zu stemmenden Anforderungsbereichs. Hier ist das Ziel der Schule, jeden im Rahmen seines Potentials so weit zu fördern und zu so hohen Leistungen zu führen wie möglich.
  • Es kann innerhalb eines Kompetenzbereiches in einen Lerncheck einfachere und eine schwierigere Aufgabe geben. Bei erfolgreichem Bearbeiten der Aufgabe erhalten die SuS die für die Kompetenz vorgesehenen Punkte. Es ist nicht schlimm, wenn das ‚ungerecht’ wirkt. Die SuS wählen selbst und erwerben so ihre Erfahrungen.
  • Es ist möglich, dass die Gesamtzahl der zu erreichenden Punkte über 100 liegt, z.B. durch Zusatzaufgaben oder durch Zusatzpunkte für gute Lösungen bei den schwierigeren Aufgaben. Die Schule hört aber bei 100 Punkten, die ein/e Schüler/in erreicht, auf zu zählen (wenn die SuS weiter zählen wollen, mögen sie es tun). An einem Wettbewerb um die Spitzenpunktzahl beteiligt sich die Schule also nicht.

Für die Überführung der Punkte in Zensuren hat die Schule eine Tabelle erstellt, die in allen Fächern gilt,  siehe Lerncheckdeckblatt (in Anlehnung an die ZP10).

 

Allgemeines zur Leistungsfeststellung

„Die rechtlich verbindlichen Hinweise zur Leistungsfeststellung sowie zu Verfahrensvorschriften sind in der Allgemeinen Schulordnung dargestellt (ASchO §§ 21-25). Diese Regelungen werden ab 01.08.2005 durch die entsprechenden Vorschriften des in den parlamentarischen Beratungen befindlichen Schulgesetzes abgelöst (§ 47).

„Sonstige Leistungen“ haben bei der Leistungsfeststellung den gleichen Stellenwert wie die „Schriftlichen Leistungen“ in den Klassenarbeiten.

Die Leistungsfeststellung bezieht sich auf die im Zusammenhang mit dem Unterricht erworbenen Kompetenzen.“

© 2012 Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen - Letzte Änderung: 01.03.2012

 Zielsetzung:

„Erfolgreiches Lernen ist kumulativ. Entsprechend sind die Kompetenzerwartungen in den Bereichen des Faches jeweils in ansteigender Progression und Komplexität formuliert. Dies bedingt, dass Unterricht und Lernerfolgsüberprüfungen darauf ausgerichtet sein müssen, Schülerinnen und Schülern Gelegenheit zu geben, grundlegende Kompetenzen, die sie in den vorangegangenen Jahren erworben haben, wiederholt und in wechselnden Kontexten anzuwenden. Für Lehrerinnen und Lehrer sind die Ergebnisse der Lernerfolgsüberprüfungen Anlass, die Zielsetzungen und die Methoden ihres Unterrichts zu überprüfen und ggf. zu modifizieren. Für die Schülerinnen und Schüler sollen sie eine Hilfe für weiteres Lernen darstellen. Die Leistungsfeststellung ist daher so anzulegen, dass sie den Lernenden auch Erkenntnisse über die individuelle Lernentwicklung ermöglicht. Die Beurteilung von Leistungen soll demnach mit der Diagnose des erreichten Lernstandes und individuellen Hinweisen für das Weiterlernen verbunden werden. Wichtig für den weiteren Lernfortschritt ist es, bereits erreichte Kompetenzen herauszustellen und die Lernenden zum Weiterlernen zu ermutigen. Dazu gehören auch Hinweise zu erfolgversprechenden individuellen Lernstrategien. Den Eltern sollten im Rahmen der Lern und Förderempfehlungen Wege aufgezeigt werden, wie sie das Lernen ihrer Kinder unterstützen können.“

© 2012 Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen - Letzte Änderung: 01.03.2012